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Klenkes - Stadtmagazin Aachen /Euregio
Montag, 24. Februar 2014                                 zurück zu Biographie


© Hans Richter (Filmstill aus Vormittagsspuk von 1928)

Unverdaute Retrofrische

Die Dialog-Ausstellung „Artikulation der Zeit – Jürgen Claus – Hans Richter“ macht in einem neuen Kunstraum zwei Multitalent- und Einzelgängerpositionen der unnostalgisch befruchtenden Rückbesinnung schmackhaft.
von Dirk Tölke

In der Kunst der letzten Jahrzehnte ist so viel passiert, dass es ergiebig bleibt, von Zeit zu Zeit noch einmal einen neuen Blick drauf zu werfen, zumal, wenn es um intellektuell anspruchsvolle Konzepte geht, um Denkzeugcollagen der 60er, wie sie nun in einem neuen Aachener Kunstraum zur Eröffnung sichtbar werden. Sixties revisited.

Der als Dadaist, Dadachronist und Mitbegründer des abstrakten Films bekannte Hans Richter (1888-1976) wird mit seinem vor allem in Deutschland wenig bekannten graphischen Spätwerk und Experimentalfilmen präsentiert, just zwischen einer Retrospektive seines sonstigen Werkes in Los Angeles, Centre Pompidou Metz und Berlin (ab 24.3. im Gropiusbau). In abstrahierender Dada-collage, aber entlang seiner künstlerischen Entwicklung variierend warf dieser zu seinem 80ten einen Blick auf eigene Lebensstationen zurück im ausgestellten handgearbeiteten Zyklus „Retrospektiver Lebensplan“ (40er Auflage, 1968).

Der umtriebige Medienkünstler Jürgen Claus (1935*) blickt parallel auf seine Anfänge zurück und tritt in bildlichen Dialog, da er, wie sonst nicht wieder, geometrisch strukturierte Arbeiten aus seiner Zeit im New Yorker Künstlerhotel Chelsea (1967) zeigt, die mit Schablonen und Letraset aus Zivilisationsmüll und Druckereiresten entstanden, die damals die Bürgersteige füllten. Zwischen Werbegraphik, Befragung des Ornamentalen und wissenschaftlicher Illustration entwickelt sich hier ein metamorphotisch neuer, sehr eigenständig denkender und kunstmarktfreier Ansatz, der auch Projektionscollagen durch handbemalte Dias einschloss und die Diskussionen der damaligen Zeit begleitete. Seine frühen Bücher zur Kunst von 1963-70 geben Zeugnis von den Überlegungen, wie es mit der Kunst damals weitergehen sollte, ob sie am Ende sei oder mit Technologie, Urbanität und Wissenschaft neue Wege gehen könne. Eine intensive Zeit der Neuorientierung und des Experiments.

Die „Artikulation der Zeit“ in Bildformen, die sich mit der eigenen Zivilisation und ihrer ständigen Weiterentwicklung beschäftigen, blieb eine künstlerische Kernfrage. Wer artikuliert was? Ein Ensemble kleiner verschachtelter Räume hat das Ehepaar Nora und Jürgen Claus an der Kuckhoffstr. 39 ausgebaut, um demnächst dort mit „project claus …“ einen Ort des kulturellen Impulses und des Kunstgesprächs zu etablieren, eine Stätte, um sich einzulassen. Gewiss ein reiches Reservoir offener Debattenkultur mit den Kontakten, die Claus seit seinen Rowohlt-Veröffentlichungen zur Kunst der 60er-Jahre weltweit erarbeitet hat, über Frontkunstarbeit im Bereich Roboter und Computer, Film und Medien, Meer und Solartechnik, etc. (siehe Info rechts), immer verbunden mit dem Impetus der Kunst als Chance. Sinnvollerweise heißt der Auseinandersetzungsraum daher „project claus“ mit drei Pünktchen. Nicht umsonst reden OB Marcel Philipp und Ministerpräsident der DG Karl-Heinz Lambertz zur Eröffnung. Der Dialog mit diesen nimmermüden material- und kontaktlastigen Impulsgebern und Netzwerkern bringt hoffnungsvolles Potential für befruchtende Dialoge in die Universitätsstadt, die sich mit einem ökologischen Schwerpunkt und ihrem internationalem Netzwerk einmischen. Da geht was. Ein neuer Geist ist in der Stadt.

14.3.-10.5., Eröffnung 14.3., 17 Uhr
Artikulation der Zeit – Jürgen Claus – Hans Richter: „Project claus …“
Do-Sa 15-19 Uhr, Kuckhoffstr. 39, Aachen

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